SCHULGESCHICHTE

Geschichte der Schule Raußlitz

"Also lautet der Beschluss, dass der Mensch was lernen muss ...."
Wilhelm Busch

 

 

Seit wann wird überhaupt in Raußlitz gelehrt und gelernt?
Eine spannende Frage. Diese zu beantworten braucht viel Zeit. Zum Glück haben sich vor uns schon bekannte Personen mit diesem Thema beschäftigt und wir können uns ihres Wissens bedienen und die Geschichte fortsetzen. (Herr Hummel, Max Großmann, H. Lorenz, I. Pietzsch)

Die Einrichtung der ersten Schule ist nicht nachweisbar. Aber ab 1633 existieren Kirchenbücher und diese wurden von Schulmeistern geführt. Also ist anzunehmen, dass es zu dieser Zeit eine (vielleicht einklassige) Küsterschule im Ort gab.

1726 wurde die "alte" Schule, ein Fachwerkhaus, gebaut. Man findet es noch heute am kleinen Dorfplatz hinter der Bushaltestelle. Es diente später als Gemeindeamt, dann als Wohnhaus.

1886 errichtete man das heutige Schulgebäude. Es war für das Dorf Raußlitz zur damaligen Zeit ein bedeutender Bau und ist es sicher auch heute noch.
Denn wo es eine Schule gibt, da ist auch Leben im Dorf.
Dieses Schulhaus bestand zunächst aus 2 Klassenzimmern, einem Garderobenraum und einem Lehrmittelzimmer. Im 1. Stock gab es zwei Lehrerwohnungen. Später war auch noch das Dachgeschoss bewohnt.

Es wurden zuerst 4 Klassen eingerichtet: 1./2. Schuljahr, 3./4. Schuljahr, 5./6. Schuljahr und 7./8. Schuljahr. Die Großen hatten am Vormittag Unterricht, die Kleinen am Nachmittag.

Man ging 8 Jahre zur Schule. Danach besuchten einige noch ein Berufsschuljahr.

Es herrschte der Rohrstock, der von einigen Lehrern sehr oft benutzt wurde.
Eine Augenzeugin berichtete: "Ein Mädchen wurde einmal so geschlagen, dass die Pulsader platzte, es ganz toll blutete und der Arzt gerufen werden musste. Die Rechnung hat aber dann der Lehrer bezahlt."

Zensuren bzw. Zeugnisse gab es zu Michaelis (29. September) und Ostern.

1933 erfolgte in unserem Schulhaus der erste Umbau: Zentralheizung, 2 Klassenräume im 1. Stock, Lehrerzimmer und ein weiteres Lehrmittelzimmer.
Aus der Vierklassenschule entstand, wenn auch nur für kurze Zeit, eine Sechsklassenschule.

Nun wurden aber auch Lehrerwohnungen gebraucht.
1934 baute man das Lehrerhaus in der heutigen Schulstraße 14. In ihm befanden sich 2 Familienwohnungen und eine sogenannte Junglehrerwohnung.
Die Wohnungen fielen klein und unzulänglich aus, da die Gemeinde nicht genügend Mittel aufbringen konnte.

1933 bis 1945 - Die Akten dieser Jahre spiegeln auch an der Raußlitzer Schule die nazistische Ideologie wieder. 2 Beispiele: "Abartige Schüler konnten ohne jegliches Einspruchsrecht der Eltern an Sonderschulen oder in Anstalten verbracht werden."
"Lehrer sind in die Ostgebiete abzuordnen und haben als Staatsdiener für Großdeutschland mit gutem Beispiel voranzugehen."

1945 kurz vor Kriegsende wird ein Säuglingsheim aus Rothenburg bei Görlitz in unsere Schule ausgelagert, 51 Kleinkinder, 6 größere und 34 Erwachsene.
Für die 6 Klassen blieb noch ein Klassenzimmer und man mag sich nicht vorstellen unter welchen Bedingungen hier alle mehr oder weniger miteinander auskommen mussten.
Der Unterricht wurde zudem in diesen letzten Kriegswochen von ständigem Fliegeralarm unterbrochen und auch der Schulweg war für die auswärtigen Kinder ein sehr gefährlicher.

1945 Hoffnung auf einen Neubeginn, ein schwerer Anfang!
"Am 1.10.1945 ist in den Schulen mit dem Unterricht zu beginnen!" so lautete die Verordnung. Aber womit?
Vier Lehrkräfte tun es unter schwierigsten, heute kaum vorstellbaren Bedingungen:
ohne Bücher, Hefte, Lehrmittel, ohne genügende päd. Ausbildung aber dem Willen, einen Neubeginn zu wagen. Man nannte diese ersten Lehrer nach dem Krieg "Neulehrer".
Faschistisches Gedankengut sollte aus der Schule verbannt werden und – der Rohrstock verschwand.

1949 gab es weitere Umbauten im Gebäude: 1 Klassenzimmer kam hinzu, 1953 ein weiteres.
Die Schulspeisung, anfangs nur für Bedürftige, wurde eingeführt. Die erste Küche befand sich im heutigen Werkraum. Es gab Suppen, Brot, Brötchen und einfachste Gerichte.

1952 Im ehemaligen Rittergutshaus, später im Wirtschaftsgebäude, richtete man die Schulküche ein. Noch heute denken viele, die in ihrer Schulzeit verpflegt wurden, an die "gute Küche" zurück und schwärmen von besonders beliebten Gerichten, die es in Raußlitz und vielleicht nur hier in R. gab.

1953 Bedeutungsvoll für unsere Schule und den Ort war die Gründung der ersten Landoberschule des Kreises mit angeschlossenem Internat im Herrenhaus. Ortsansässige und Schüler aus dem Kreisgebiet konnten somit in Raußlitz eine 9. und 10. Klasse besuchen.

1955 entstand die "Mittelschule Raußlitz" ebenfalls mit der Möglichkeit, die 9. und 10. Klasse abzuschließen.

Ab 1959 wurde von der 1. bis zur 10. Klasse nach einheitlichen Lehrplänen der DDR unterrichtet. Man konnte die Schule aber auch weiterhin nach der 8. Klasse verlassen.

1975 war das nicht mehr möglich. Der Schulbesuch bis zur 10. Klasse wird Pflicht und ist die Voraussetzung zum Erlernen eines Berufes.
Die Schule ändert wieder ihren Namen, wie überall- "Polytechnische Oberschule Raußlitz".
In dieser Zeit und danach entstehen schrittweise mit großem Engagement der Pädagogen moderne Unterrichtsräume und Bedingungen für die naturwissenschaftlichen Fächer. Damit konnte sich Raußlitz mit jeder Großstadtschule messen.

In dieser Zeit wurde an den Schulen, so auch hier, der Unterrichtstag in der Produktion (UTP, später auch PA und ESP) in den Klassen 7 bis 10 eingeführt. Vor allem landwirtschaftliche Betriebe der Gemeinde und des angrenzenden Territoriums betreuten die Schüler.

1959 – 1964 entstand im NAW (Nationales Aufbauwerk) unsere heutige Turnhalle. Es wurden freiwillige Arbeitsstunden geleistet. Das Beschaffen des Baumaterials war sicher die größte Herausforderung in dieser Zeit.
Nach mehreren Modernisierungsmaßnahmen, vor allem nach 1992 und mit einer tollen Außenhaut steht sie immer noch und genügt den Anforderungen unserer Grundschüler. Auch am Abend wird sie von mancher Sportgruppe für Aktivitäten genutzt.

1961 - Eröffnung des Schulhortes in der oberen Etage des ehemaligen Herrenhauses
zuerst in einem Zimmer, 1. Hortgruppe bestand aus 13 Kindern der Klassen 2 bis 4.
Später stand die gesamte obere Etage dem Hort zur Verfügung, auch ein Spielplatz entstand hinter dem Haus. Ab Mitte der 70er Jahre konnten alle Kinder, deren Eltern es wünschten, den Hort besuchen. Unterricht und Hortgestaltung wurden aufeinander abgestimmt.
Später, in den 80er Jahren zieht der Hort ins Dachgeschoss des Schulhauses, wo er sich noch heute befindet.

1953 – 1973 wird durch Lehrer und Schüler eine enge Verbindung zum Schriftsteller Max Zimmering und seiner Familie aufgebaut. 2 Jahre nach seinem Tod erhält die Raußlitzer Schule 1975 mit Zustimmung der Witwe den Namen "Max Zimmering".

1981/82 kam es zu Umstrukturierungen in der Schullandschaft. Ein Beschluss des Rates des Kreises sah die Bildung von Schulbereichen vor, so auch den Bereich Raußlitz – Ziegenhain. Daraufhin beschloss der Rat der Gemeinde Raußlitz die Zusammenlegung der beiden Schulen mit Sitz in Ziegenhain. Die Gemeindevertreter stimmten mit 17 : 4 Stimmen zu. In dieser Zeit lernten noch 105 Schüler in der Zehnklassenschule.
Die Schüler der Klassen 5 – 10 und ein Teil der Lehrerschaft gingen zum Schuljahreswechsel nach Ziegenhain. Die Kinder der Unterstufe und der Hort blieben in Raußlitz.
Damit endete zunächst die Zeit der Selbständigkeit dieser Schule.

Das änderte sich im Jahr 1992 durch die Umprofilierung der Schulen im Land Sachsen und die Gründung bzw. Zusammenlegung der Gemeinden.
So kam es glücklicherweise für unsere Schule zur Neugründung oder Umbenennung in "Grundschule Raußlitz". Nun gab es zunächst einen kleineren Umzug in umgedrehter Richtung, denn die Schüler der Ziegenhainer Unterstufe kamen mit nach Raußlitz.

Am 01.01.1994 schlossen sich die Gemeinden Raußlitz, Rüsseina und Ziegenhain zur Gemeinde Ketzerbachtal zusammen, im März des Jahres 1994 kam noch die Gemeinde Rhäsa dazu. Danach kam es zur Schließung der Grundschulen in Rüsseina und Rhäsa, was nicht problemlos verlief, denn bis zuletzt kämpften die Eltern und Gemeindevertreter verständlicherweise um den Erhalt ihrer Schulen. Vergebens!
Kinder dieser Schulen gehörten von da an ebenfalls zu unserem Schulbezirk. Zeitweise wurde es in diesen Jahren recht eng im alten Gebäude.

Die 90er Jahre waren vom Umdenken, Ausprobieren, sich Profilieren geprägt. Die sogenannte Kuschelpädagogik wurde getestet aber meist schnell wieder verworfen.
Moderne Unterrichtsformen fanden ihren Weg ins alte Gebäude, zogen räumliche Veränderungen mit sich. Nach und nach wurden neue Möbel angeschafft. Der Computer eroberte auch die Grundschulen und gehört heute selbstverständlich zur Grundausstattung und ist Bestandteil der Lehrpläne. Mit Fördergeldern der EU und Eigenmitteln der Gemeinde konnten wir im Zimmer 6 unser Computerzimmer einrichten.

2001 erhielt unser ehrwürdiges Gebäude eine neue Außenhaut: Dach, Fassaden, Fenster, Außentüren wurden erneuert, gleichzeitig eine moderne Rettungstreppe errichtet. - Übrigens hat man von ganz oben dieser Treppe einen herrlichen Blick über Raußlitz und in die Ferne. Der Schulhof und der Spielplatz wurden umgestaltet und die Toilettenanlagen erinnern schon längst nicht mehr an vergangene Zeiten. ( Erinnerung an die Plumpsklos)

Auch in unseren Horträumen hat sich viel verändert. Vom Dachboden wurde mehr und mehr Raum dazu gewonnen, um die ca. 85 Hortkinder aufnehmen zu können.
In enger Zusammenarbeit Schule – Hort gestalten wir seit 2007 gemeinsam und gut ausgestattet mit Fördergeldern Ganztagsangebote. Dabei werden wir von Eltern, der Stadt Nossen und anderen außerschulischen Partnern unterstützt.

Im Jahr 2010 übergab uns die Gemeinde Ketzerbachtal einen modernen Speisesaal, der im ehemaligen Stallgebäude des Rittergutes entstand. Darüber befinden sich Räume, die für Gruppenunterricht, Musikunterricht, den Hort oder das Mittagsschläfchen der Klasse 1 genutzt werden können.

Seit dem 1. Januar 2014 sind alle Ortschaften von Ketzerbachtal zur Stadt Nossen eingemeindet wurden. Somit hat sich die Stadt Nossen auf 56 Ortschaften erweitert. Unser kommunaler Träger ist ab dieser Zeit die Stadtverwaltung Nossen mit dem Bürgermeister Herrn Anke.

Da unsere Schule brandschutzmäßig viele Mängel aufwies, wurde im Sommer 2015 wieder gebaut. Eine sichere Brandschutzmeldeanlage wurde installiert, eine neue Eingangstür sowie Fluchttür eingebaut.

Der gesamte Hortbereich wurde vergrößert und für die Kinder kleine Spielecken eingerichtet.

Auch 2016 gibt es weitere Baumaßnahmen im Schulbereich als auch im Hort.

Zur Zeit lernen 83 Kinder in 4 Klassen in unserer Einrichtung. Sie werden von 5 Lehrerinnen unterrichtet und von 4 Erzieherinnen betreut. Unsere Schule befindet sich in einer wunderbaren ländlichen Umgebung. Sie ist gefüllt mit neugierigen, wissbegierigen, ehrgeizigen, fröhlichen, manchmal auch traurigen Kindern, die sich meist gut verstehen aber wie eh und je auch streiten. Sicher benimmt sich, genauso wie in alten Zeiten, der eine oder andere daneben. Damit alles im Gleichgewicht bleibt, bemühen sich wie eh und je die Pädagogen. Dafür werden sie wie eh und je mal geliebt und mal gehasst.

 

 

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